SR DRS, 07.04.2009

Buch-Tipp: Sarah Kuttner «Mängelexemplar»

Die Moderatorin Sarah Kuttner, 30, wurde mit ihren legendären TV-Shows bei MTV und VIVA bekannt. Nach zwei Kolumnensammlungen legt sie nun das dritte Buch vor, ihren ersten Roman «Mängelexemplar».

Die Hauptfigur, die 27jährige Karo Herrmann, lebt auf einem Planeten, der dem ihrer Schöpferin ähnlich ist; hier ein Event, dort eine TV-Show und: Wichtig sein ist wichtig, richtig wichtig. Bis sie Job und Freund verliert und auf einmal so viel Sand in ihrem Getriebe steckt, dass die Räder nicht mehr drehen: Karo leidet zunehmend unter Angstzuständen und Panikattacken. Kuttner lässt Karo auf der Welle des Gesundwerdens durch ein Jahr segeln, an dessen Ende man wohl berechtigt realisiert, dass man eine seelische Schieflage nicht so «mir nichts dir nichts» wieder ins Lot bringt.

Sarah Kuttner trifft mit ihrer Sprache (Auszug: «Wir urlauben wie Fünfzigjährige. Es ist genau meine Tasse Ferien.») wohl nicht jedermanns Ton, aber sicher viele junge Herzen. Sie zeigt Karo zwar zweifelnd, schwach und ihrer Krankheit ausgeliefert, macht sie aber nie lächerlich. In Interviews wird Sarah Kuttner permanent gefragt, ob ihr Roman autobiografisch sei, sie antwortet immer mit «nein» und wird trotzdem immer wieder gefragt. Als ob es eine Rolle spielen würde. Wichtig ist, dass sie glaubhaft beschreibt, was in einem Menschen vorgehen kann, wenn die Angst kommt - und das gelingt Kuttner zweifelsohne.

«Mängelexemplar» ist ein Muss für TaschenlampenbesitzerInnen: Der Roman beschreibt, wie es in einem Menschen dunkel wird, ohne dass er weiss, wann und warum er den Lichtschalter gedrückt hat.



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