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Fuldaer Zeitung, 04.07.2008
Kuttner mit neuer Show: Betagter Sender su. junge Zuschauer
Sarah Kuttner und das Kleingedruckte: In einer neuen ARD-Show geht die ehemalige MTV-Plappertasche den Geschichten hinter skurrilen Kleinanzeigen nach – das Erste hofft auf Zuschauer diesseits der 50. Wieder einmal.
Die Damen sind nicht im Kaufpreis inbegriffen. Das ist wichtig. Deshalb betont es die Bordellbetreiberin am Ende noch einmal ganz deutlich. Gerade hat die ehemalige MTV-Moderatorin und Berufsplaudertasche Sarah Kuttner das zum Verkauf stehende Bordell der Frau aus Saarbrücken samt Kamerateam fachmännisch inspiziert, die dort arbeitenden Frauen frech gefragt, ob sie sich denn auch regelmäßig waschen, und sich versichert, dass die Unterwäsche auf der Heizung auch ordentlich aufgehängt ist. Die Begründung für die indiskreten Fragen liefert Kuttner gewohnt frei heraus: „Ich kauf‘ doch nicht die Nutten im Sack.“
Kuttners Bordellbesuch läuft nicht etwa im Nachtprogramm von RTL II. Die 29-Jährige ist mit ihrer neuen Show „Kuttners Kleinanzeigen“ am morgigen Sonntag das erste Mal im Öffentlich-Rechtlichen zu sehen. Nach Oliver Pocher, der sich mal als Juniorpartner von Late-Night-Übervater Harald Schmidt und zuletzt als Nervensäge am Rande der EM-Berichterstattung durchschlägt, und dem schon wieder geschassten Laufstegsensibelchen Bruce Darnell („Drama, Baby!“) soll nun Sarah Kuttner das Image der betagten ARD aufpolieren.
Auch wenn die Hoffnungen auf den Erfolg des Projektes „Gut situierter Sender su. junge Zuschauer“ schon vor der ersten Ausstrahlung so weit wie möglich nach unten geschraubt wurden. „Ich fühle mich überhaupt nicht befugt, die ARD zu retten“, hat Kuttner vorsichtshalber tiefgestapelt. Und auch die Programmmacher selbst sind sich offensichtlich nach den vielen Flops in dieser Richtung nicht mehr so sicher, ob das überhaupt klappen kann – und haben die Verjüngungskur per Kleinanzeige zunächst auf drei Folgen begrenzt.
Dabei ist das Konzept vielversprechend – und die viel sprechende Moderatorin eine Idealbesetzung: Für die Sendung durchkämmt Kuttner die Kleinanzeigen der Zeitungen nach Skurrilitäten – und erzählt dann in einer kleinen Reportage die Geschichte hinter dem Kleingedruckten. Das Freudenhaus war in einer Saarbrücker Zeitung annonciert: „Bordell-Business zu verkaufen, 350 Quadratmeter, 14 Zimmer, 14 Frauen, Toplage, Topausstattung, eine Goldgrube, wird wegen Altersgründen verkauft“, war da zu lesen.
Für die charmante Kuttner könnte die neue Show in der ARD den Sprung vom Helden der Spartenprogramme ins Hauptprogramm bedeuten – auch wenn die Sendung vorerst spätabends ausgestrahlt wird. Zwar ist die ehemalige Viva- und MTV-Moderatorin gerade vielen 20- bis 35-Jährigen durch ihre eigene Musikshow noch in bester Erinnerung, und während der WM 2006 hatte sie auch schon einmal ein paar (nicht sehr inspirierte) Kurzauftritte als Ulk-Außenreporterin im Sommermärchen.
Seitdem aber blieb es ruhig um die Berlinerin, die von sich sagt, nicht ehrgeizig genug für eine große Karriere zu sein. Ein paar Kolumnen bei der „Süddeutschen Zeitung“, eine Radioshow mit ihrem Vater im RBB, dazu die „Slam Tour mit Kuttner“ – eine Art Poetryslam mit Fernsehkameras, die der nicht gerade reichweitenstarke digitale Abosender SAT.1 Comedy ausgestrahlt hat.
An den Prestigegewinn, den ein Wechsel ins Öffentlich-Rechtliche trotz Bruce Darnell seltsamerweise immer noch mit sich bringt, hat sie sich noch nicht gewöhnt. Als sich Kuttner neulich mit einem „Spiegel“-Reporter zum Interview zu ihrer neuen Sendung getroffen hatte, begrüßte der sie mit den Worten: „Herzlichen Glückwunsch zum Ersten!“ Kuttner sah ziemlich verwirrt aus und fragte ihn erstaunt: „Zum ersten was?“
von Dirk Schmaler
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