Warum sucht eine Frau drei Esel? Warum tauscht jemand Kaffee gegen ein Katzenklo? In ihrer neuen ARD-Sendung geht die Berliner Moderatorin Sarah Kuttner kuriosen Annoncen nach. Die SWR-Koproduktion "Kuttners Kleinanzeigen" läuft sonntags um 23.30 Uhr im Ersten.
SWR.de: Worum geht es in Ihrer neuen Sendung "Kuttners Kleinanzeigen"?
Sarah Kuttner: Es geht tatsächlich um Kleinanzeigen. Wir reisen lustigen und merkwürdigen Kleinanzeigen hinterher, um zu schauen, wer sie aufgegeben hat, und wie es dazu gekommen ist. Da ergeben sich manchmal ganz andere Geschichten, als man erwartet hat. Oft ist es einfach zauberhaft, klein und lustig.
Helfen Sie den Verfassern in Ihrer Sendung auch, Interessenten zu finden?
Der Teil ist mir relativ egal. Dafür haben sie ja die Anzeige aufgegeben. Uns geht es darum, bei komischen Anzeigen nachzuhören. Wenn eine Frau die allerkleinste Bibel der Welt verkaufen will, möchte man natürlich sehen, wie diese kleine Bibel aussieht. Es stellte sich heraus, dass diese sieben mal sieben Millimeter klein ist. Dann habe ich natürlich vor Ort recherchiert, ob auch wirklich alle Evangelien und Testamente drinstehen.
Ich stelle die Fragen, die man sich als Leser stellt: "Wer ist das, weshalb passiert das? Warum verbummelt eine Frau drei Esel?"
Welche besonders kuriosen Geschichten fallen Ihnen noch ein?
Wir hatten eine Frau, die jemanden suchte, der aus den Haaren ihres Hundes Wolle spinnen kann. Daraus wollte sie einen Pullover stricken. Oder es gab jemanden, der alles, was er besaß, gegen Kaffee tauschen wollte, zum Beispiel ein Katzenklo oder Kinderkleidung.
Finden Sie das verrückt oder mutig, wenn man solche Anzeigen aufgibt?
Weder noch. Für die Leute war das jedes Mal total pragmatisch. Der Typ wollte nun einmal Kaffee und konnte dafür eben ein Katzenklo bieten. Verrückt finde ich das nicht. Es ist merkwürdig, aber klärt sich häufig auf, wenn man nachfragt.
Was erfährt man über das Land, wenn man herumreist und nachfragt?
So viel nicht. Ich glaube nicht, dass ich bei zwölf Anzeigen, die ich gedreht habe, eine gute Statistik liefern kann. Alle Wohnungen sehen verschieden aus und riechen anders.
Ich habe aber festgestellt, dass immer eine ganz tolle Geschichte dahinter steckt, egal wo man hinfährt. Wenn man mit den Leuten beim Kaffee quatscht, merkt man, dass jeder irgendetwas Spannendes zu erzählen hat, dass kein Leben öde ist. Jeder schleppt etwas mit sich herum, groß oder klein, aber immer aufregend.
Was hat Sie ursprünglich an der Idee gereizt, etwas über Kleinanzeigen zu machen?
Ich bin neugierig auf merkwürdige Sachen und fand das Format einfach hübsch. Es gab ja im SWR Fernsehen schon einmal eine Dokumentation zu diesem Thema. Die fand ich toll und dachte mir, dass ich das auf jeden Fall machen möchte.
Wie schwer war es, die Anzeigenschreiber zum Mitmachen zu bewegen?
Die meisten hatten tatsächlich Lust und waren sehr nett und kooperativ. Manche haben auch abgesagt, was schade war, weil tolle Anzeigen dahinter steckten. Aber dafür habe ich natürlich Verständnis. Wenn ich eine Anzeige aufgebe, dann würde ich auch nicht wollen, dass bald das Fernsehen vor der Tür steht.
Haben Sie die Anzeigen selbst recherchiert?
Ich hatte eine Redakteurin, die für mich die Vorauswahl getroffen hat, habe dann aber selbst beschlossen, welche ich machen will. Außerdem haben wir viel diskutiert. Manche Anzeigen sind zwar aufregend und merkwürdig, aber hinterlassen einfach keine Frage. Wir hatten zum Beispiel eine blinde Marathon-Läuferin, die einen Laufpartner suchte. Das klingt natürlich aufregend, aber es steckt kein "Warum" dahinter.
Haben Sie persönlich schon Kleinanzeigen aufgegeben oder lesen sie gerne?
Ich habe noch nie eine aufgegeben oder auf eine geantwortet. Es macht mir aber großen Spaß, Kontaktanzeigen zu lesen. Diese werden auch immer merkwürdiger: Die Leute "vermetaphern" sich. Kaum einer schreibt noch "suche netten freundlichen Mann", sondern es steht immer etwas wie "Stiefmütterlein sucht einen Gärtner fürs Leben, der sie pflegt und ab und zu gießt". Am Ende weiß man gar nicht mehr, was jemand überhaupt mitteilen möchte.
Wir fanden das aber so lustig, dass wir fürs Ende jeder Sendung eine Spezialrubrik, eine Art "Best Of", gemacht haben. Es lohnt sich zwar nicht, zu Absendern von Kontaktanzeigen hinzufahren, da ja klar ist, was diese suchen. Aber wir lesen besonders kuriose Kontaktanzeigen vor.
Die Fragen stellte: Isabell Gössele
Sarah Kuttner:
Geboren 1979 in Berlin, hatte sie eigene Shows bei Viva und MTV, berichtete unter anderem von der Fußball-WM 2006 und veröffentlichte zahlreiche Kolumnen in Büchern.